Anthroposophische Heilpädagogik

Anthroposophische Heilpädagogik, Sozialpädagogik und Sozialtherapie ist heute in vielen Ländern anerkannter Teil des sozialen Hilfesystems. Sie verfügt über ein internationales Netzwerk der Zusammenarbeit, das auf gegenseitiger Hilfe und Unterstützung beruht und ihre Angebote werden von denjenigen, die sie in Anspruch nehmen – Menschen mit Behinderung und deren Angehörige – nicht nur genutzt, sondern auch mit- und weiterentwickelt.

Grundlagen

Leitmotiv der anthroposophischen Heilpädagogik, Sozialpädagogik und Sozialtherapie ist die Überzeugung, dass der Wesenskern eines Menschen, seine Individualität, nie krank, sondern nur in seiner harmonischen Entfaltung behindert oder beeinträchtigt sein kann. Der Mensch wird als Einheit von Körper, Seele und Geist gesehen. Jedem Menschen soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich auf individuelle Art entwickeln zu können, eingebettet in einen Lebens- und/oder Arbeitszusammenhang, der Menschen mit Behinderungen, Angehörige und Mitarbeitende gleichermassen umschliesst.

Die Gestaltung einer gleichwertigen Beziehung ist in der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie zentral; dem Menschen mit Behinderung wird grösstmögliche Eigenständigkeit und Selbstbestimmung, aber auch die notwendige Unterstützung und Begleitung, zugestanden.

In anthroposophischen Institutionen wird der bewussten Gestaltung des Tages-, Wochen- und Jahreslaufes grosse Beachtung geschenkt. Rhythmen können Sicherheit, Orientierung und Vertrauen geben.

Die Gestaltung des Umfeldes, des Wohnraums trägt zur Stimmung und zum Wohlbefinden bei, wobei hier die eigenen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner wichtiger Bestandteil sind.

Wert wird auf die Pflege des Künstlerischen wie Eurythmie, Malen, Musik, Sprache, Theater etc. gelegt. Kunst wird dabei gesehen als Möglichkeit zur Persönlichkeitsentwicklung, als therapeutisches Mittel zur Balance von Einseitigkeiten und als Kommunikations- und Ausdrucksmittel.

Das breite Angebot an anthroposophischen Therapien wird neben anderen Therapieangeboten zum Ausgleich von Einseitigkeiten, zur Behandlung von Beschwerden und zur Förderung von Entwicklungen gezielt eingesetzt.

Die anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie sieht Spiritualität und Religion als  Bestandteil für ein gelingendes Leben. Das Feiern von Jahresfesten oder auch das Innehalten bei täglichen Ritualen wie z.B. einer Morgen- oder Abendfeier geben vielfältige Möglichkeiten, Spiritualität und Religiosität zu erfahren - selbstverständlich mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Konfessionen und Religionen der zu betreuenden Menschen.

Angebote

Bereits im Vorschulalter bestehen Möglichkeiten, dass Kinder mit Behinderungen in Spielgruppen und Kindergärten adäquat begleitet und gefördert werden. Der Waldorf-Lehrplan der Rudolf-Steiner-Schulen bildet die Grundlage der pädagogischen Arbeit in den Tagessonderschulen und Sonderschulheimen, bei letzteren kommt dem Bereich der Betreuung und Pflege eine sehr wichtige Bedeutung zu. Den Abschluss der Schule bildet die Berufsvorbereitung als Übergang in das Erwachsenenleben, wo die Schwerpunkte des Zusammenlebens und -arbeitens eine andere Gewichtung erfahren.

Diese Neuorientierung spiegelt sich auch in der Bezeichnung Sozialtherapie als umfassenden Begriff für alle Tätigkeiten mit erwachsenen Menschen mit Behinderung. In vielen Institutionen werden unterschiedlichste Formen der Sozialtherapie gepflegt: Kleinere oder grössere Institutionen mit betreuten Wohngruppen, begleitetes Wohnen, Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten in Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, aber auch Tageswerkstätten ermöglichen individuelle Gestaltung von Biographien. Der Integration in einen Arbeitszusammenhang wird grosse Beachtung geschenkt. Im Vordergrund stehen dabei vor allem künstlerisch-handwerkliche Tätigkeiten und die Erzeugung von Produkten, die einem Bedürfnis entsprechen, aber auch die Mitarbeit von Menschen mit Behinderungen ermöglichen.

Entstehung

Die Entstehung der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie reicht in die Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück. 1924 hielt Rudolf Steiner auf Anfrage von drei jungen Menschen vor einem kleinen Kreis in Dornach zwölf Vorträge, den «Heilpädagogischen Kurs». Dieser wurde zur Grundlage des anthroposophisch-heilpädagogischen Impulses. Heute gibt es etwa 530 Einrichtungen für Heilpädagogik und Sozialtherapie und über 60 Ausbildungsstätten in 40 Ländern. In all diesen Institutionen werden Menschen unterschiedlichsten Alters betreut, die in ihrer Entwicklung oder individuellen Entfaltung behindert oder beeinträchtigt sind und aus diesem Grund eine spezielle Begleitung, Betreuung und Förderung brauchen.

Der Verband anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie in der Schweiz, vahs, zählt 40 Mitgliederinstitutionen unterschiedlicher Grösse und Ausrichtung. Zwei Höhere Fachschulen auf anthroposophischer Basis bieten das Studium in Sozialpädagogik an.


Zusätzliche Informationen zur anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie finden sie unter: khsdornach.org

 

 

 

 

 

 

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